Charlotte Selver
Charlotte Selver

"Oral History" und Buch über Charlotte Selver

Charlotte Selver hat im Laufe ihres langen Lebens viele Menschen tief berührt. Sie hatte ein faszinierendes Leben, und ihre Lebensgeschichte sollte in angemessener Form erzählt werden und erhalten bleiben. Viele von uns tragen Erinnerungen and sie und ihr Leben mit sich. Auch diese sollen nicht verloren gehen.

Ich bitte Sie, dieses Projekt, welches zum ersten mal Charlotte Selvers Leben und Wirken umfassend darstellen sowie die Erinnerungen ihrer Langzeit-schülerInnen festhalten wird, zu unterstützen. Grosse und kleine Beiträge sind willkommen und notwendig. Als GönnerIn haben Sie exklusiven Zugang zu einer Members Seite. Dort können sie die Entwicklung des Projektes mitverfolgen und Ausschnitte aus Interviews hören und lesen.

Wenn Sie dieses Projekt finanziell oder anderweitig unterstützen möchten, gehen Sie bitte zur Donations Seite, wo sie die nötigen Informationen finden können - oder schreiben Sie mir (stelaeng@mac.com).

Vielen Dank!

Stefan Laeng-Gilliatt

Was ist neu?

Ich bitte um Verständnis, dass ich nicht regelmässig Berichte in deutscher Sprache verfassen kann. Ausführlichere Informationen finden sie auf den englischen Seiten.

 

25. April 2014

Ruth Veselko

February 3, 1918 – April 23, 2014

Ruth Veselko and Stefan Laeng-Gilliatt

Ruth Veselko, Sensory Awareness Leader und Schülerin von Heinrich Jacoby und Elsa Gindler starb am 23. April. Sie war 96 Jahre alt. Ich interviewte Ruth am 11. Juli 2008 bei ihr zuhause in Winterthur.

 

 

 

12. März 2013

Anneke HopfnerAnneke Hopfner with a stone on her head

21. März 1934 – 17. Januar 2013

Nach dem kürzlichen Tod von Seymour Carter und Virginia Veach haben wir eine weitere Sensory Awareness Lehrerin verloren. Anneke ist am 17. Januar im Heim ihrer Tochter Christine Hopfner in Bergisch Gladbach gestorben.

Sie hatte in den letzten Jahren vor allem auch eng mit Seymour Carter zusammengearbeitet. Ich habe Anneke in 2011 bei ihr zuhause in Bruchhausen besucht und mit ihr über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen gesprochen. Anneke sprach ausführlich über ihre lebenslange Verbindung mit Bewegungs- und Atemarbeit, die begann, als sie als kleines Mädchen mit ihrer Mutter einen Kurs bei Hede Kallmeyer besuchte. Weiter erzählt sie von ihrer Arbeit mit Lehrerinnen wie Ilse Middendorf, Gerda Alexander, Else Nusch, Mieke Menjou und natürlich Charotte Selver.

Das Gespräch und einige Fotos finden sie hier: Anneke Hopfner

 

29. April 2011

Brochure by Charlotte Selver-Wittgenstein 1930sWas tun wir?
fragte sich Charlotte Selver-Wittgenstein in den frühen 30er Jahren, als sie beschlossen hatte, die Bode-Gymnastik hinter sich zu lassen, um sich auch mit ihren Schülern dem Arbeitsansatz Elsa Gindlers zu widmen. Diese Frage wird in Beziehung zu unserer Arbeit oft gestellt und deren Beantwortung bringt manche heute noch ins Stottern.

Charlotte zu ihrem Ringen damals in einem Gespräch vom Dezember 1999:
Ich bin herumgegangen, stundenlang, und habe mir überlegt, was kann ich schreiben? Was tun wir? Wir haben viele Spaziergänge gemacht [mit Nicolaus Kelen] und uns immer wieder unterhalten. Und immer wieder versucht herauszufinden, wie wir es formulieren können. Und dann hab ich es zum Schluss formuliert ... und habe es weggeschickt.

Die hier abgebildete Brochure könnte das Produkt dieser Überlegungen gewesen sein. Leider habe ich sie aber nicht rechtzeitig entdeckt, um Charlotte danach fragen zu können.

Und eines Tages bekomme ich eine Postkarte von Elsa Gindler. Sie bittet mich um so und so viel Uhr am Nachmittag ins Studio zu kommen. Ich war sehr erfreut. Und ich bin in das Studio gegangen, und da war der ganze Kurs versammelt mit dem ich vorher studiert hatte bei Gindler. Und Gindler überreichte mir ein Papier und sagte: “Was ist das?” Und ich sah, das war mein Prospekt. Und da sagte sie: “Lesen sie es!” Und ich las es und ich sah, dass ich dasselbe geschrieben hatte was Gindler geschrieben hatte. Also ich kann überhaupt nicht sagen, wie ein Hieb hat mich das getroffen, ich hatte es überhaupt nicht gemerkt. Und dann sagte Gindler: “Wenn sie nochmal etwas schreiben, formulieren sie es bitte so, wie sie es empfinden.” Das war ein schrecklicher Moment.

Kannst dir vorstellen?

Stefan: Ja.

Charlotte: Ich hatte es gar nicht bemerkt. Und sie hat den ganzen Kurs gebeten präsent zu sein.

Stefan: Schrecklich. War das in Berlin?

Charlotte: Ja. . . . . Wir hatten schon schwierige Zeiten. Ich muss ziemlich oberflächlich gewesen sein, dass ich das nicht bemerkt habe.

Brorchure by Charlotte Selver-Wittgenstein 1930s

 

Hinten: Die Schauspieler Alexander Granach und Lotte Lieven
Vorne: Nicolaus Kelen, Hedy Bender.
Anlässlich eines Kurses von Elsa Gindler und Heinrich Jacoby
in der Schweiz. August 1933.

Charlottes Entschluss, in der Weise von Elsa Gindler zu Arbeiten, stiess wohl Anfangs nicht auf deren Zustimmung und hatte einige Diskussionen unter ihren Schülern zur Folge. Was der Schauspieler Alexander Granach aus dem Exil 1934 dazu an seine Frau Lotte Lieven schrieb, kann man im faszinierenden Briefband Du mein liebes Stück Heimat nachlesen.

Anfang November schreibt er: "Auch wollte ich noch einige Worte über die Selver sagen. So einfach im Bann tun kann man sie ja auch nicht. – Jeder von uns wusste, und die Elsa G auch, dass sie unterrichtet, und das schon Jahre lang – was soll sie nun tun, soll sie ihren alten Dreck weiter machen oder das Aufgeschnappte an den Mann bringen. Natürlich kapiert sie nur einen Teil von Elsas und Enricos [Heinrich Jacoby] Arbeit – diesen Teil vermischt sie nun mit ihrem alten Zimt, und was daraus entsteht, ist sicher ein Selver-Zimt Salat. – Ich würde meinen, statt Gericht über sie zu halten, wäre richtiger, ihr zu helfen. Denn sie ist lehrsam und hat den guten Willen – aber wenn man mit so einem Mädel nun streng verfährt – dann zerstört man vielleicht alles. – Aber, Herrgott – vielleicht habe ich auch Unrecht – vielleicht ist es für die Arbeit besser, man hält sich so Halbheiten vom Leibe?! – Du siehst, die überparteiische christliche Güte will mir nicht gelingen. Seien wir also konservativ. Die Arbeit Enricos und Elsas, sie sind beide reif genug, zu entscheiden, wer sie in die Welt unter die Menschen weiter tragen darf oder nicht."

Charlotte Selvers Beziehung mit Elsa Gindler und Heinrich Jacoby war wohl nie ganz einfach. So sehr Charlotte die beiden bis an ihr Lebensende verehrte, konnte sie doch nicht umhin, ihren eigenen Weg zu gehen, wenn sie es für richtig hielt. Dies hat über die Jahre, bei aller Nähe, zu schmerzhaften Auseinandersetzungen geführt, die Charlotte bis gegen das Ende ihres Lebens sehr beschäftigten, lange über den Tod von Gindler und Jacoby hinaus.

 

20. August 2010

Von Ruhrort nach Leipzig
Recherchen in Deutschland, Sommer 2010. Hier geht es weiter.

 

Zur Weiterführung dieses Projektes bin ich auf Spenden angewiesen.
Bitte lesen sie meinen diesbezüglichen Brief. Danke!

24. Februar 2010

Vor kurzem habe ich einige lose Blätter mit Notizen von Charlotte Selver zu Stunden bei Elsa Gindler vom Sommer 1932 gefunden. Am 10. Juni schrieb sie:

Wir arbeiten an dem Verhalten beim Balancieren mit den Stäben, versuchten wieder, bewusst die 3 Zustände einzuschalten:

1) Bewegung verhindern (halten)
2) Bewegung gestatten
3) Bewegung darzumachen.

Dabei kamen wir dazu, immer mehr zu versuchen, so frei im Balancieren zu werden, dass wir uns mit jemand unterhalten konnten, während wir versuchten, den Stab zu balancieren. Dass unsre Augen frei schweifen konnten, ohne immer am Stab zu hängen. (Sehr interessant war mir, dass ich auch, wenn ich ich umschaute, starre Augen haben konnte, mich ebenso an einer Person oder einem Gegenstand festhalten konnte). Man muss ungeheuer bewegungsbereit sein, um wirklich zur Balance, d. h. zur Ruhe zu kommen.
Wir versuchten dann, unser Verhalten bei der Bewegung beim Hinsetzen zu prüfen. Auch dabei waren die 3 oberen Möglichkeiten immer wieder zu erkennen. Schon vor dem Anfang ist die Art der Bewegung schon beschlossen. Man sieht schon vorher im ganzen Organismus, ob er bereit ist. Dabei unterschied E.G. wieder 3 Dinge:

1) Probiert sie schon?
2) Lässt sie es laufen?
3) Fühlt sie sich schon bei der Bewegung?

Wir bemerkten auch hier, dass Bewegungsbereitschaft die Frage aller Elastizität ist, die Frage aller Freiheit in den Gelenken u. Muskeln. wir erkannten, dass “steife” Menschen nur durch irgendeinen Umstand nicht bewegungsbereit sind. (Die Versuche bei den Einzelnen wechselten demnach auch sehr in der Qualität.)

Gönner des Buchprojekts können über die Members-Seite einen längeren Ausschnitt dieser Notizen lesen.

Im Januar 2000 hat mir Charlotte während des Aufenthaltes in Barra de Navidad, Mexico, wo Charlotte jedes Jahr Kurse gab, ausführlich auf viele Fragen geantwortet, die sich aus unseren früheren Gesprächen und einer ersten Sichtung von Archivmaterial ergeben hatten. Hier ein kleiner Ausschnitt aus den etwa 6 1/2 Stunden an Gesprächen von diesen Tagen. Charlotte erzählt aus ihrer Kindheit, von ihrem damaligen Verhältnis zur Religion und aus der Zeit an der Waldschule Kaliski in Berlin während der Nazizeit. Gönner des Buchprojekts können über die Members-Seite den Gesprächsausschnitt auch mithören. Wir sassen bei offenem Fenster im Hotel Barra. Im Hintergrund hört man die Brandung des Meeres und die Geräuschkulisse vom Strand.

SLG: Kannst du mir nochmal die Geschichte erzählen von deinem Vater mit dem Wein?
CS: Oh. Ja, da kam jedes Jahr einmal ein Mann in unser Haus, der Vater Wein verkaufen wollte. Und der kam mit einem Köfferchen. Und, viele Flaschen. Und meine Mutter hat also im Eichenzimmer – das war unser, wo nur geschätzte Gäste zum Essen eingeladen wurden – einen Tisch gedeckt mit Damast und vielen Kristallgläsern ich war brennend interessiert. Und, so dieser Mann kam mit einem Köfferchen, mit einem mittelgrossen Koffer und er öffnete den Koffer und da waren lauter kleine Flaschen drin. Und da nahm er eine der Flaschen mit einer bestimmten Weinlese und öffnete die Flasche und liess meinen Vater den riechen, wie der Wein roch, und manchmal gab er ein bisschen Wein in eines der Kristallgläser. Vater musste das trinken und dann sagte mein Vater: “Vier Flaschen.” Und dann nimmt er eine andere Falsche und dann musste er wieder: “Riechen sie die Blume,” hiess es, die Blume, ja. Und dann hat Vater wieder gesagt: “Zwei Flaschen”, und “fünf Flaschen”, und so ist es durch die ganze Reihe seiner verschiedenen Weine gegangen und Vater hat Wein bestellt und dann , wenn der Wein dann ankam, wurde er in den Keller gebracht. Und mein Vater sagte: “Ich muss jetzt den Wein erziehen.” Und ich war sehr neugierig, wie die Erziehung des Weines sein würde. Und da bin ich mit ihm in den Keller gegangen und Vater hat, er hat den Wein mal ein bisschen nach hinten gekippt aufbewahrt oder ein bisschen nach der Seite gekippt aufbewahrt, und so ist der Wein erzogen worden. Und wir haben dann den Wein getrunken und mein Vater hat immer sehr stolz gesagt: “Der Wein kommt von da und da”, und er wusste genau, wann er abgefüllt wurde, wann er gewachsen war und so weiter. Und so, es war für Vater ein sehr wichtiger Gottesdienst. (weiterlesen)


23. April 2009

Lieber Heinrich, alle diese Episoden, alle diese Erlebnisse werden bei Dir niedergelegt. Eines Tages hole ich mir meine Briefe und schreibe sie ab,… und dann habe ich einen Abriss von München. Gelt, Du wirfst sie nicht fort?” Heinrich Selver warf sie nicht fort und die Briefe an ihren ersten Mann fanden ihren Weg zurück zu Charlotte Selver. (weiterlesen)


Januar 2008
Ich hege seit langem den Wunsch, über Charlottes Leben zu schreiben. Sie unterstützte diesen Wunsch und dies war einer der Gründe, weshalb wir in den letzen Jahren ihres Lebens zusammen systematisch durch ihr Archiv gegangen sind. Ich habe sie dabei ausführlich interviewt und habe jetzt damit begonnen, die etwa 25 Stunden Tonband zu transkribieren. Dieses Material wird als Grundlage für die Recherchen über Charlottes Leben dienen.... (weiterlesen)

Hier ist ein kleiner Ausschnitt aus meinen Gesprächen mit Charlotte Selver. Sie erzählt darin von ihren Bemühungen um Arbeit in den ersten Jahren in New York. Mehr davon ist auf der Members Seite zu hören (mit Transkription). Die Qualität dieser Aufnahme ist leider nicht sehr gut, sollte aber einen kleinen Eindruck unserer Gespräche vermitteln.

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Charlotte Selver Oral History and Book Project
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stelaeng@mac.com / Tel.: (603) 525-7289